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Napoleons Soldaten im Biwak an der Fahner Höhe

Im Flurstück „Haungrube" unweit des Waldes zwischen Gierstädt und Kleinfahner biwakierte in der Nacht vom 16. zum 17. Oktober 1806 Marshall Ney mit dem 6. Korps auf der Verfolgung des geschlagenen preußischen Heeres. Die Soldaten versorgten sich selbst, indem sie das Vieh und sämtliche Vorräte an Nahrungsmitteln der Einwohner von Gierstädt und Kleinfahner plünderten. Die geschlachteten Kühe, Schweine, Schafe und Hühner garte man in den riesigen Feuern, welche überall im Feldlager loderten und Wärme in der kalten Nacht spendeten. Als Brennmaterial dienten Türen, Tore, Zäune, Möbel – alles, was man aus den Dörfern herbeischleppen konnte.

Selbst die hölzernen Ackerwagen wurden ins Feuer geschoben, nachdem die Bauern den Inhalt ihrer Scheune als Pferdefutter für die Kavallerie und deren über 1.000 Pferde ins Lager kutschiert hatten. Den schmerzlichsten Verlust erlitt jedoch Kleinfahners Pfarrer Johann Volkmar Sickler. Die Früchte seiner jahrelangen Arbeit wurden in wenigen Minuten zerstört, als seine gesamte Baumschule ins Feuer wanderte.

Der Gedenkgottesdienst am 16. Oktober 2006 und das Biwak am 21. Oktober 2006 sollten an dieses historische Ereignis in unserer Region erinnern. Es waren erfolgreiche Veranstaltungen, die von zahlreichen Gästen auch aus weiter entfernten Regionen besucht wurden. Zum Gedenkgottesdienst hatte Frau Pfarrerin Dreyer in der mit zahlreichen Kerzen erhellten Kirche an die Lebenssituationen der Menschen damals erinnert und zum friedvollen Zusammenleben aufgerufen. Das anschließende Gospel-Jazz-Konzert animierte die Besucher mit Liedern wie „Swing Low, Sweet Chariot" zum Mitsingen.

Auf diese Art auf die Erinnerungsveranstaltung eingestimmt, startete am Samstag das Fahner Höhe Biwak anno 1806 mit einem Umzug der beteiligten Vereine durch den Ort Kleinfahner.

Bedauerlicherweise durften die Pferde an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen, so dass die geschmückten Pferdewagen zu Hause bleiben mussten. Auch die französischen Offiziere mussten den Ort zu Fuß besuchen.

Die circa 26 Soldaten, die von Veit Simmen aus Waltershausen kommandiert wurden, waren aber nicht nur seine Sachsen-Coburger Jäger, sondern auch bekannte Gesichter aus Gierstädt und Witterda.

Die Kirmesgesellschaft Witterda und der Traditionsverein Gierstädt hatten hierzu einige Vereinskameraden in Uniformen gesteckt. Ebenso zahlreich wurde auch die damalige Bevölkerung dargestellt: beteiligt waren dabei der Kulturverein Kleinfahner e. V., die Traditionsfeuerwehr Kleinfahner, mit einer großen Gruppe der Verein für Heimatgeschichte e.V.  aus Großfahner und selbstverständlich der Tourismusverein „Fahner Höhe" e. V. als Ausrichter dieser, erfreulicherweise Orte übergreifenden, Veranstaltung.

Andere geschichtsverbundene Vereine aus Dachwig und Molschleben haben leider kurz-fristig aus organisatorischen Gründen ihre Beteiligung abgesagt. Mit viel Tamtam wurden die Akteure dann im Biwak empfangen.

Der Schützenverein aus Eschenbergen hatte dazu eigens ein Geschütz aufgefahren, um das Ganze recht lautstark zu untermalen. Die Besucher konnten sich zunächst einen Eindruck von dem sorgfältig umgrenzten Gelände machen, das mit Mannschaftszelten, kleineren Feuerstellen und Ständen ausgestattet war.

Eine Attraktion waren sicherlich die Sachsen-Coburger-Jäger, die immer wieder lautstark durch Exerzierübungen mit nachhaltig klingenden Pistolensalven auf sich aufmerksam machten. Unsere Soldaten und ihre Offiziere waren willkommene Motive. Sie gesellten sich gerne an die Lagerfeuer und zu Herrn Pfarrer Kloß aus Herbsleben, der alle mit seinen von der Gitarre begleiteten Liedern unterhielt. Auch der Dachwiger Frauenchor hatte einige Musikstücke für die Thematik ausgewählt und bei bestem Wetter vorgetragen.

Für unsere kleinen Gäste gab es interessante Bastelmöglichkeiten, die von den Teams der Kindertagesstätte Gierstädt und vom Hort Großfahner betreut wurden. Gleichzeitig wurde auch wieder die Ausstellung zu Pfarrer Sickler gezeigt, die von zwei Schülern der Klasse 9 der Regelschule Tonna betreut wurde. Sie befassen sich gegenwärtig mit dem Thema Napoleon mit besonderem Bezug zur Region Fahner Höhe und werden ihre Arbeit im Frühjahr 2007 abschließen. Auf das Ergebnis können wir jetzt schon gespannt sein. Aus einer anderen Klasse des Regelschule Tonna waren zwei selbst geschneiderte Kostüme aus der Zeit ausgestellt und fanden große Bewunderung. Ebenso hatte eine Klasse des Oskar-Gründler-Gymnasium aus Gebesee sich mit der Thematik im Geschichtsunterricht befasst und eine Ausstellungswand zum Thema gestaltet, die hier mit zu sehen war.

Nachdem auch einige Sponsoren unserer Einladung gefolgt waren, darunter für den Landkreis, Herr Landrat Conrad Gießmann und zahlreiche Gewerbetreibende unserer Region, konnten die extra aus Berlin angereisten Jonglage-Künstler Michael Liermann und Michael Braun (opus furore) als Musketiere mit Ihrer fesselnden Vorführung beginnen. Ebenso sorgsam wie Sie ein Fleckchen auf dem Rasen für ihre Kunststücke ausgesucht hatten, wählten Sie auch immer wieder Helfer aus dem Publikum aus. Diese hatten an ihren Späßen ebenso ihre Freunde wie das restliche Publikum. Vorlaute Kinder mussten aber auch auf der Hut sein, sie bekamen gleich strenge Antworten. Mit gekreuzten Degen kämpften sie um ihre Ehre, um sich später von den Helfern auf das Einrad heben zu lassen. In schwindliger Höhe flogen dann der männlichen Mademoiselle die brennenden Fackeln um die Krone. Das vergleichsweise schwierige Gelände forderte von den Künstlern einiges an Kondition ab. Mit tobendem Applaus ließ man die Künstler ziehen.

Das interessierte Publikum konnte sich nun noch dem Lagerleben zuwenden.

Der Verein für Heimatgeschichte Großfahner leistete mit seiner Feldschmiede zur Zeitreise einen eindrucksvollen Beitrag. Mit dem Geschichtsrätsel wurden auch die Kenntnisse der Besucher zur Zeit Napoleons auf die Probe gestellt.

Schon bald startete die erste geführte Wanderung zu den verschiedenen Feuern rund um Kleinfahner. Arnd Stehling, als Pfarrer Sickler, führte die Gäste der ersten Gruppe und hielt so manche Anektode bereit. Gefolgt von einer zweiten Gruppe, die Andreas Fleischmann als Bauersmann begleitete. Diese Gruppe traf ebenso, wie die von Ulf Henniger als Dorfschulzen geführte Gruppe, den von Stephan Unbehau aus Großfahner dargestellten Verleger Herrn Friedrich Johann Justin Bertuch aus Weimar. Dieser war ein guter Freund Sicklers und hatte alle seiner Werke verlegt. Bei seinem Aufenthalt in Erfurt hatte er den Auftrag zum Druck des Kriegsmanifestes, sozusagen der Kriegserklärung an die Franzosen, erhalten. Angesichts herannahender Flüchtlingsströme und unzähliger Sol¬daten zog er es vor, sein Leben in Sicherheit zu bringen. Er flüchtete zu seinem Freund Sickler nach Kleinfahner. Beide ließen das gefährliche Dokument hinter einer Tapete verschwinden. Gespannt lauschten die Nachtwanderer seinen Ausführungen zu Leben und Werk des wieder von den Kriegswirren eingeholten Mannes.
Stilvoll waren auch die Feuer betreut. Frau Scheele und Herr Luleich hatten an ihrem Grundstück nahe der „Haungrube" ihrem Wagen aufgebaut und boten nicht nur leckeren Fruchtwein mit Honig an, sondern hatten auch eine Signalfackeln aus damaliger Zeit aufgebaut, deren unter¬schiedliche Positionen den Soldaten einige hundert verschiedene Befehle übermitteln konnten. Eine weitere Stärkung konnte man auf der Alten Gothaer Landstraße zu sich nehmen, die von der Jungen Gemeinde zubereitet worden war. Schließlich war auch noch die Franzosenbirne zu passieren, bevor man zu Ausgangspunkt zurückkehren konnte. Die zahlreichen Lagerfeuer auf dem Biwakgelände vor der Fahner Mühle luden die Gäste noch lange zum Verweilen ein.

Allen Beteiligten hat die Vorbereitung und Durchführung des Biwaks so viel Freude bereitet, dass sie weiterhin zusammenarbeiten werden und in fünf Jahren eine solche Veranstaltung wiederholen werden.

Der Tourismusverein „Fahner Höhe" e. V. möchte sich besonders herzlich bei allen Mitwirkenden bedanken.

Besonderer Dank gilt aber auch dem Bürgermeister der Gemeinde Gierstädt , Herrn Ulf Henniger, und seinen Mitarbeitern, die wann immer sich ein scheinbar unlösbares Problem auftat, eine praktikable Lösung parat hatten und Abhilfe schafften.

Auch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Kleinfahner und Gierstädt sein Dank für die Betreuung der verschiedenen Feuer.

Schließlich sein ein Dankeschön dem Team der FAHNER GASTRO GmbH, allen voran Herrn Holger Kofend gesagt. Viele organisatorische Dinge hat er übernehmen und natürlich am Tag des Biwaks einiges „auffangen" müssen.

Nicht zuletzt ein Dankeschön an die Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft „Fahner Höhe", die bei der Beantragung aller behördlichen Genehmigungen hilfreich zu Seite standen.

Große Anerkennung und Dank für ihr Vertrauen gilt jedoch allen Sponsoren, ohne die diese Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Alle waren von unserer Idee und dem Konzept angetan, so dass der Vorstand des Tourismusvereines „Fahner Höhe" e. V. sich zur Durchführung der Veranstaltung entschließen konnte.

Absatzgenossenschaft, Gierstädt
Agrarprodukte Großfahner e. G.
Albig, Döllstädt
Apotheke Gräfentonna
Architekturbüro Wilke, Erfurt
Autohaus Gotha
Backshop – Minimarkt, Döllstädt
Bau- und Möbeltischlerei
Réne Heinemann, Witterda
Baumschule Kühr, Tiefthal
Café Weißbach, Tiefthal
Erfurter Samen- und Pfanzenzucht GmbH
Fa. Kopka, Gierstädt
Fa. Mucks, Dachwig
FABE, Großfahner
Fahner Obst eG, Gierstädt
Firma Kühnhausen, Gierstädt
Grundstücksgesellschaft Alach
Haarstudio Welker, Tonna
Christa Härtwich, R+V Versicherungen, Kleinfahner
Holz Braun, Döllstädt
Ingenieurbüro für Bauwesen
Dipl.-Ing. Michael Göpfert, Döllstädt
Käppler GmbH, Tonna
Kreissparkasse Gotha
Landkreis Gotha
Metallbau & Metallgestaltung
Christoph Bier, Witterda
Obsthof Bosse, Dachwig
Frau Rechtanwältin
Monika Tippelhofer, Gierstädt
Raumausstatter Galle
Schloß-Apotheke, Großfahner
Silvia Schnieber, Blumen und Floristik, Witterda
Sparda Bank Berlin eG
tegut-Markt, Dachwig
Zimmerei Pohl, Gierstädt

 

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